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Was ist Capoeira ?

Geschichte der Capoeira

Capoeira wurde während der Kolonialzeit in Brasilien von aus Afrika eingeschifften Sklaven praktiziert und weiterentwickelt. Die afrikanischen Elemente verschmolzen im Laufe der Jahre zusätzlich mit Akrobatik und Einflüssen anderer Kampfkünste wie z.B. Ringen, Jiu-Jitsu und Wushu.

Durch Capoeira stärken wir unser Selbstbewusstsein, trainieren Koordination, Ausdauer, Kraft und Rhythmusgefühl. Geist und Seele kommen auch nicht zu kurz, da Spaß immer im Mittelpunkt des Trainings steht.

 

Die Roda

Die Kämpfe finden immer in einer Roda statt. Diese Roda besteht aus einem Kreis von Capoeiristas und den Musikern. Immer zwei Capoeiristas kämpfen in der Roda, wobei in der Capoeira für einen Kampf der Begriff „Spiel“ verwendet wird. Eine Roda ist besonders beeinflusst von der archaischen Wucht, die der Capoeira innewohnt.

Traditionell läuft die Capoeira als Spielform in der so genannten Roda (portugiesisch für Kreis, sprich: hoda mit offenem „o“) ab: Dabei stehen alle Teilnehmer in einem Kreis, wobei sich an einer Stelle dieses Kreises die Musiker versammeln.

Zentral sind dabei die Berimbau-Spieler, da der Berimbau den Rhythmus der Musik bestimmt. Von dort wird das Spiel begonnen. Dabei hocken sich zwei Capoeiristas (oder Capoeiras auf portugiesisch) vor die Instrumente, schauen sich kurz an, geben sich die Hand (clap) (manche berühren an dieser Stelle noch das Berimbau als Zeichen der Verehrung) und gehen in die Mitte der Roda, in der Regel mit einem Radschlag. Die Umstehenden klatschen den Rhythmus und singen den Refrain. Innerhalb des Kreises spielen die zwei Capoeiristas dann miteinander. Zwischen beiden wird kein Wettkampf ausgefochten, sondern sie führen eine Art von körperlichem Dialog aus, die Worte sind dabei die verschiedenen Offensiv- und Defensiv-Bewegungen. Auf jede Offensiv-Bewegung folgt eine Defensiv-Bewegung des anderen, aus einer Defensiv-Bewegung wird fließend eine Offensiv-Bewegung. Diese Sequenzen von wechselseitigen Bewegungen werden so zu Sätzen. Ob dabei eher die Kooperation oder die Konfrontation im Vordergrund steht, entscheiden die Spieler selbst. Dieses Gespräch kann je nach Können und Stimmung eher friedlicheren Charakter haben oder auch in einen Kampf münden. Am Ende steht kein Gewinner oder Verlierer fest, sondern die Capoeiristas entscheiden selbst, wann sie den Dialog beenden.

 

Batizado & Troca de Cordas

Die ersten Kordeln werden normalerweise einmal jährlich im Rahmen einer feierlichen Zeremonie, der Batizado (sinngemäß Feuertaufe) verliehen. Für bereits graduierte Schüler heißt es dann nur noch „Troca de Cordas“, da sie ihre Kordeln nur noch wechseln. Es steht vorher schon fest, wer welche Kordel bekommt, lediglich zur Demonstration der eigenen Fähigkeiten wird dies nochmals in unterschiedlich anspruchsvollen Spielen in der Roda überprüft.

Üblich ist es, dass jeder Schüler sich einen höher Graduierten „Paten“ sucht, der eine bestimmte Rolle während der Zeremonie hat. Spielt der Schüler mit einem Meister in der Roda, so versucht der Meister, den Schüler auf den Boden zu werfen und lässt dann – auf spielerische Weise – so lange nicht von ihm ab, bis der „Pate“ ihn rettet.

 

Geschichte

Belegt ist die Existenz der Capoeira bis ins 18. Jahrhundert. Die Literatur geht davon aus, dass sie in Brasilien aus einer Vermischung verschiedenster afrikanischer Tänze und Kulte entstand. Auch in anderen Regionen, in welche afrikanische Sklaven verschleppt wurden, entstanden dem Capoeira ähnliche Kampfkünste, wie dem Mani auf Kuba.

Weitere Legenden ranken sich um die Kämpfe zwischen Sklaven und Sklavenhaltern in den Quilombos – so wird von den Quilombos gesagt, dass sich dort die Capoeira stark weiterentwickelte und dass die Sklaven sie auch im Kampf gegen die (mit Schusswaffen bewaffneten) Sklavenjäger eingesetzt hätten.<o:p>

Die nächste Entwicklungsphase der Capoeira ist dann auch die erste, bei der sich die Experten über Entstehung und Anwendung einig sind. Die damalige Capoeira ist allerdings nicht mit der heutigen vergleichbar, sondern vielmehr als eine Art Straßenkampftechnik zu begreifen. Capoeiristas taten sich in Banden zusammen, auch Maltas genannt, und beherrschten ganze Straßenviertel. Dabei kämpften sie gegen rivalisierende Maltas und die Obrigkeitskräfte. Diese Form der Capoeira war besonders in den Hafenstädten Rio de Janeiro, Recife und Salvador da Bahia verbreitet, die auch gemeinhin als die Brutstätten der Capoeira angesehen werden. Die Capoeira ist entsprechend eine urbane Erscheinung.

In der Kaiserzeit war die Capoeira zwar nicht explizit verboten, die Capoeiristas wurden dennoch verfolgt und beispielsweise wegen Störung der öffentlichen Ordnung verhaftet. In der Republik (ab 1889) gab es schließlich einen Capoeira-Paragrafen, der die Ausübung der Capoeira mit Verbannung von sechs Monaten bis zwei Jahren bestrafte. Einer der Gründe für diese Behandlung liegt darin, dass die Capoeiristas als Monarchisten angesehen wurden, die aus Dankbarkeit für die Befreiung der Sklaven sich der Krone verpflichtet fühlten. Die Capoeira wurde in dieser Zeit stark in den Untergrund gedrängt und konnte nur noch in Rio de Janeiro, Recife und Salvador da Bahia überleben.

Das Capoeira-Verbot wurde 1937 durch den nationalistischen Diktator Getúlio Vargas aufgehoben, der mit der Capoeira einen nationalen Sport etablieren wollte. Auf diese Idee kam er, nachdem er eine Vorführung von Mestre Bimba sah. Bimba wollte aus Elementen der Straßenkampftechnik Capoeira eine moderne Kampfkunst formen, welche er Luta Regional Baiana nannte. In dieser Form der Capoeira integrierte er Elemente des Batuque und asiatischer Kampfsportarten, um die Effizienz dieser Kampfsportart zu erhöhen. Er unterrichtete sie (noch während des Verbots) an seiner Academia in der bahianischen Hauptstadt Salvador da Bahia – das Verbot war der Hauptgrund dafür, weshalb seine Schule nicht Capoeira im Namen führte. Bimba ersann zum ersten Mal eine systematische Methode, Capoeira zu vermitteln; vorher wurden die Techniken durch Nachahmen erlernt.

Auch heute noch wird die Capoeira hauptsächlich in zwei Formen aufgeteilt: Capoeira Regional und Capoeira Angola. Aktuell ist allerdings ein Trend des sich gegenseitigen Annäherns zu spüren. Dieser Trend wird vor allem durch Mestre Camisa und Mestre Joao Grande getragen und gerne als Capoeira Contemporanea bezeichnet.

 

Malícia - Die Seele der Capoeira

Capoeira hat eine Kampftechnik, die sich von den meisten anderen Künsten deutlich unterscheidet. Dies mag auch als Grund dafür gelten, warum es in Europa nicht die gleiche Verbreitung findet wie z.B. Karate oder Judo.

Das zentrale Element - die Seele der Capoeira - ist Malícia. Malícia kann als „Verschlagenheit, Bösartigkeit“ gedeutet werden, doch es ist im brasilianischen eine positiv belegte Eigenschaft und eher mit „Schläue“ oder „Kriegslist“ zu übersetzen.

In Liedern gibt es anschauliche Beschreibungen von dem, was Malícia ist. Bildlich lässt sie sich gut am Beispiel einer Schlange erklären, die sich in ihrem Loch befindet und auf Beute wartet. Die Schlange ist vorbereitet und sobald die Beute eintrifft, wird sie ohne Gegenwehr erlegt (z.B. „bote de cobra coral“ aus der Ladainha Uma Vez von Mestre Toni Vargas). An anderer Stelle wäre die Schlange vielleicht unterlegen gewesen.

Ähnlich ist es in der Capoeira: die Spieler versuchen, sich gegenseitig Fallen zu stellen, sich auszutricksen. Dabei kommt es oft vor, dass viele Angriffe nur gemacht werden um von dem eigentlichen Angriff (also dem Angriff, der das ursprüngliche Ziel darstellt) abzulenken. Dies ist extrem schwierig, da das Verhalten des Anderen in wenigen Augenblicken erfasst werden muss. Zum gleichen Zeitpunkt muss der Angreifer bereits die Gegenstrategie entwickelt haben, um seinen Angriff zu platzieren.

Oft geht es darum, im Kampf beim Gegner einen Eindruck zu erwecken, der nicht den wahren Tatsachen entspricht, aber dennoch geglaubt wird. So durften zu früheren Zeiten die Capoeira-Schüler nicht zeigen, wie kräftig sie wirklich sind, wenn andere (potenzielle Gegner) dabei zusahen. Sie sollten eher den Eindruck erwecken, als wären sie Schwächlinge, damit der Gegner möglichst wenige bzw. Fehlinformationen über sie hat. Dies konnte in einem Kampf entscheidend sein.

Dieses Element der Capoeira - die Malícia - zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben eines Capoeirista. Dabei wird sie niemals direkt gelehrt, sondern von den Schülern spielerisch ausprobiert. Durch die Malícia ist der Ausgang eines jeden Kampfes ungewiss, da ständig Überraschungen geschehen.

Durch das Vorhandensein dieses zentralen Elementes wird klar, dass nicht die Technik und Kondition ausschlaggebend ist, sondern der taktische Überblick über das Spiel. Es gibt Meister, die nur sehr wenige verschiedene Techniken anwenden, diese jedoch mit Hilfe von Malícia so effizient einsetzen, dass es sehr schwer ist, überhaupt in ihre Nähe zu kommen, ohne getroffen zu werden.

In der heutigen Zeit tritt die Malícia in den modernen Formen der Capoeira Regional häufig in den Hintergrund, da Geschwindigkeit sowie Kürze der Spiele einen Aufbau der notwendigen Spannung und Dynamik nicht ermöglichen. In der Capoeira Angola dagegen ist sie nach wie vor zentrales und wichtigstes Element.

 

Mestre Pastinha

Vicente Ferreira Pastinha (* 5. April 1889 in Salvador da Bahia, Brasilien; † 13.
November 1981 ebenda) war ein brasilianischer Kampfsportler und Begründer der Capoeira de Angola.

Mestre (Meister) Pastinha ist als Vater der Capoeira de Angola bekannt, der „afrikanischen“ Stilrichtung der Kampfsportart Capoeira. Pastinha hat ganz maßgeblich zur Entwicklung dieser Stilrichtung beigetragen zu einer Zeit, in der Capoeira noch durch das Gesetz verboten war.

Noch heute leben zwei Schüler von ihm, zum einen Mestre João Grande der nun in New York seine Kenntnisse weitergibt und zum anderen Mestre João Pequeno, der immer noch in Salvador da Bahia unterrichtet.

Mestre Pastinha begann Capoeira im Alter von 8 Jahren durch einen Afrikaner mit dem Namen Benedito zu lernen. Hierzu gibt es eine kleine Geschichte: ein älterer und stärkerer Junge aus Pastinhas Nachbarschaft hatte ihn häufig verprügelt. Eines Tages sah Benedito dieses und sagte Pastinha, er solle zu seinem Haus kommen, damit er ihm ein paar Dinge beibringen kann. Beim nächsten Zusammentreffen mit dem Jungen soll Pastinha ihn so schnell besiegt haben, dass der ältere Junge zu seinem Bewunderer wurde.

Mestre Pastinha hatte eine glückliche und bequeme Kindheit. Morgens besuchte er eine Kunstschule, die Liceu de Artes e Ofício, an der er malen lernte; während der Nachmittage spielte er mit Papierdrachen und lernte Capoeira. Er führte sein Training mit Benedito für drei Jahre weiter.

Auf Wunsch seines Vaters besuchte er später eine Seemanns-Akademie, was dazu führte das er sein Training nicht weiterführen konnte. Jedoch brachte er auf der Schule seinen Freunden Capoeira bei. Im Alter von 21 Jahren verließ er die Schule um ein hauptberuflicher Maler zu werden. In seiner Freizeit hat er im Geheimen weiterhin Capoeira trainiert, da es zu dieser Zeit in Brasilien immer noch illegal war.

 

Die Capoeira Angola

Mestre Pastinha nahm 1941, einer Einladung von Aberrê - seinem früheren Schüler - folgend, an einer sonntäglichen Roda (Capoeira-Wettkampf) beim „Ladeira do Gengibirra“ im Stadtteil „Liberdade“ teil. Hier waren ständig auch die besten Meister anzutreffen.

Aberrê war schon lange berühmt in diesen Rodas und nachdem Pastinha einen Nachmittag dort verbracht hatte, fragte ihn einer der besten Meister von Bahia, Mestre Amorzinho, ob er nicht Capoeira Angola unterrichten wolle.
Als Ergebnis gründete Pastinha 1942 die erste Capoeira Angola-Schule, das „Centro Esportivo de Capoeira Angola“ im Staddteil Pelourinho. Seine Schüler trugen schwarze Hosen und gelbe T-Shirts, die gleichen Farben die der „Ypiranga Futebol Clube“ benutzte, Pastinha´s Lieblingsclub.

Er nahm mit der brasilianischen Delegation am „First International Festival de Artes Negras“ in Dakar (Senegal), teil.
Mit ihm waren Mestre João Grande, Mestre Gato Preto, Mestre Gildo Alfinete, Mestre Roberto Satanás und Camafeu de Oxossi dort.

Pastinha arbeitete als Schuhputzer, Schneider, Goldschürfer, Türsteher (leão de chácara) eines Casinos und Bauarbeiter am Porto de Salvador, um sein finanzielles Auskommen zu sichern. So konnte er das sein, was er am meisten wollte: ein Angoleiro.

Pastinha, alt, krank und fast komplett blind, wurde von der Verwaltung gebeten, sein Haus für Renovierungsarbeiten zu verlassen. Aber es wurde ihm nie wieder zur Verfügung gestellt - stattdessen wurde ein Restaurant und Geschäft darin untergebracht. Pastinha starb als gebrochener Mann in Bitterkeit über seine Behandlung. Am Ende wurde Pastinha in einem Obdachlosenheim einquartiert (Abrigo D. Pedro II – Salvador da Bahia). Er beendete einsam sein Leben. Am 12. April 1981 trat er zum letzten Mal in der Roda an.

Mestre Pastinha starb im Alter von 92 Jahren am 13. November 1981. Nur zwei seiner besten Schüler sind noch übrig, Mestre João Grande und Mestre João Pequeno, die weiterhin Pastinhas Erbe in der Welt verbreiten.

Dr. C. Daniel Dawson hat später in seinem Buch „Capoeira Angola und Mestre João Grande“ geschrieben „Pastinha war ein brillanter Capoeirista, dessen Spiel durch seine Agilität, Schnelligkeit und Intelligenz charakterisiert werden kann (...). Pastinha wollte, dass seine Schüler die Anwendung, Philosophie und Tradition der reinen Capoeira Angola verstehen. Wie er sagte, „Ich praktiziere die wahre Capoeira Angola und in meiner Schule lernen die Schüler, aufrichtig und gerecht zu sein. Das ist das Gesetz der Angola. Ich habe es von meinem Großvater gelernt. Es ist das Gesetz der Loyalität. Die Capoeira Angola, die ich gelernt habe - ich habe sie in meiner Schule nicht verändert... Wenn meine Schüler etwas angehen, dann gehen sie es so an, dass sie alles darüber wissen wollen. Sie wissen es; dies ist Kampf, dies ist List. Wir müssen ruhig bleiben. Es ist kein offensiver Kampf. Capoeira wartet (...) Der gute Capoeirista muss singen können, Capoeira spielen können und die Instrumente der Capoeira spielen können.

 

Mestre Bimba

Manoel dos Reis Machado (* 22. November 1899 in Salvador da Bahia, Brasilien; † 15. Februar 1974 in Goiânia), genannt Mestre Bimba, war ein brasilianischer „Capoeirista“ und Begründer der Capoeira Regional.

In Brasilien wurde Anfang des 20.Jahrhunderts verstärkt Jagd auf Ausübende der afrikanischen Riten (Candomblé, Umbanda, Capoeira etc.) gemacht. Es gab gefürchtete Kavallerieschwadrone der Polizei, die in ihren Reihen auch Capoeira-Kämpfer hatten. Im vorigen Jahrhundert gab es in Rio die terroristische „Schwarze Wache“(Guarda Negra), die zum Schutz der Monarchie gegen die Republikaner kämpften. In dieser Zeit wuchs Manoel dos Reis Machado mit Capoeira auf.

 

Luta Regional Baiana

Getúlio Dornelles Vargas übernahm 1930 die Macht in Brasilien. Zu dieser Zeit läutete Bimba das Zeitalter der Akademien ein. Er gründete die erste erlaubte Akademie(1932) für Capoeira. Bimba lehrte seine Luta Regional Baiana, später als Capoeira Regional bekannt und galt zu seiner Zeit als unbesiegbar. Mestre Bimba trug auch den Beinamen: trés pancadas(3 Schläge).Seqüências, Cinturas und Desprezadas/Balãos. Er führte als erster methodisches Training ein. Hierzu gehörten.

 

Único Esporte Genuiamente Brasileiro

Es folgte eine Zeit der intensiven Capoeira-Ausübung. Nach einer Vorführung Mestre Bimbas 1953 bezeichnete Getúlio Vargas (diesmal als gewählter Präsident Brasiliens) die Capoeira als „único esporte genuiamente brasileiro“ (einzig echter brasilianischer Sport).

 

 

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